Dr. Michael Prager
Dr. Michael Prager
Projektbearbeiter
Politisierter Islam in Indonesien: Zwischen "Skripturalismus" und "Neo-Sufismus"

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Politisierter Islam in Indonesien: Zwischen "Skripturalismus" und "Neo-Sufismus"

Das Projekt zielt auf einen Vergleich von zwei kontrastierenden Erscheinungsformen des gegenwärtigen Islam in Indonesien und den jeweils daraus resultierenden religiösen Dynamiken, die sich derzeit in unterschiedlichen regionalen Settings im Inselstaat mit dem weltweit größten muslimischen Bevölkerungsanteil entfalten.

Der erste Teil der Untersuchung fokussiert auf den indonesischen Reform-Islam, d.h. Strömungen, die auf eine "Purifizierung" des Glaubens und die Rückkehr zu einem „authentischen“, „skripturalistischen“ Islam sowie einer damit einhergehenden formalisierten Orthopraxis zielen. Die reform-islamischen Strömungen, die ihre Inspiration vorrangig aus dem islamischen Modernismus des Nahen und Mittleren Ostens beziehen, haben gerade in den letzten Jahren sowohl auf der Ebene der Zentralregierung und des islamischen Zentralrats (Majelis Ulama Indonesia) als auch in den islamisch-dominierten Lokal-Provinzen zunehmend an Virulenz gewonnen. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die Frage, wie der Reform-Islam auf der lokal-politischen institutionellen Ebene durch den flächendeckenden Ausbau von reformistisch geprägten Schulen operiert und welche religiösen Konflikte und Dynamiken auf der dörflichen Ebene angesichts der zunehmenden Antagonisierung synkretistisch geprägter Vorstellungs- und Handlungssysteme zu verzeichnen sind.

Der zweite Teil des Projekts zeigt eine andere bisher weitgehend unbeachtet gebliebene Variante des kontemporären Islam in Indonesien auf, die sich unter dem Oberbegriff des „Neo-Sufismus“ fassen und als Gegenreaktion auf den hegemonialen Diskurs des Reform-Islam verstehen lässt. Gerade unter der urbanisierten Mittelklasse sind während der letzten Jahre eine Vielzahl von neo-sufistischen Organisationen und Strömungen entstanden, aber auch viele der als faktisch obsolet gewähnten klassischen Sufi-„Orden“ (Tarekat, arab.: tariqa) wie die Akmaliyah haben mittlerweile eine erstaunliche Wiederbelebung erfahren, so dass tausende von neuen Anhängern rekrutiert werden konnten.

Anhand eines systematischen Vergleichs, der in exemplarischer Form anhand einer Untersuchung der Fallbeispiele von West-Sumbawa (Reform-Islam) und der ost-javanischen Stadt Malang (Neo-Sufismus) vollzogen wird, wird die religiöse Dynamik und das Spannungsfeld des Gegenwarts-Islams in Indonesien grundlegend analysiert.