Patrick Keilbart, Dipl.Kulturw.Univ.
Doktorand
Medien und Mediation in Indonesien

"Cross-Cultural and Urban Communication"
Institute of South Asia and Southeast Asia
University of Cologne
Albertus-Magnus-Platz
50931 Cologne
Germany

pkeilbar@uni-koeln.de

Medien und Mediation zwischen populärer Religion und moderner Kampfkunst in/aus Indonesien.

Konstruktion von lokalem Wissen in transnationalen, transmedialen Netzwerken.

 

Das Promotionsprojekt soll in Form einer ethnologisch basierten Medien- und Netzwerkanalyse transkulturelle Austauschprozesse untersuchen. Die Forschung wird auf wechselseitige Beziehungen zwischen drei Untersuchungsebenen ausgerichtet sein. Auf der Makroebene bildet die indonesische Religionspolitik, das Spannungsfeld zwischen doktrinaler Religion und alternativen Glaubens-systemen, den Rahmen des Forschungsfeldes. Auf der Mesoebene stehen organisationelle Netzwerke - kollektive Identitätskonstruktion zwischen modernem Kampfsport, Religion und Mystizismus - im Zentrum der Untersuchung. Die Mikroebene bilden Aushandlungsprozesse zwischen einzelnen Akteuren, in (trans-)nationalen Netzwerken: die wechselseitige Durchdringung bzw. Abgrenzung von Repräsentationsformen und Denkmustern (cultural flows; Appadurai 1990). Unterhaltungs- und Kommunikationsmedien wird dabei besondere Aufmerksamkeit zuteil, um transnationale Diskurse, interaktive Aushandlungsprozesse, Revitalisierung und Modernisierung von (religiösem) lokalem Wissen umfassend analysieren zu können. Das Promotionsprojekt wird eine Detailstudie liefern, die nach Strukturen auf der Ebene einzelner Akteure fragt; mit anschließenden Fragen nach übergeordneten Steuerungs-mechanismen wird versucht, auch an Meso- und Makroebenen anzuknüpfen.

Die Globalisierung des westlichen Konzepts einer modernen Religion in einem modernen Staat wird am Beispiel der Republik Indonesien deutlich. Neben den offiziell anerkannten monotheistischen Religionsgemeinschaften (agama) bestehen dort Glaubenssysteme und Weltanschauungen, die als Kultur (budaya) oder Brauchtum (adat) kategorisiert werden (vgl. Hornbacher/Gottowik 2008:25). Darunter fällt das lokale Wissen indonesischer Kampfkunst Pencak Silat, das auf nationaler Ebene modernisiert und nach staatlichen Vorgaben säkularisiert bzw. von mystizistischen Praktiken abgegrenzt wird. Pencak Silat wird zugleich in westlichen Gesellschaften (USA, Europa) nachgefragt und in diese exportiert, wobei gerade inhärente mystisch-spirituelle Aspekte dessen Attraktivität bedingen. Einerseits wird in Indonesien aus dem Westen stammende Ideologie adaptiert, transformiert (oder abgelehnt) und eine eigene Moderne gestaltet. Andererseits wird das lokale, traditionelle Wissen im Westen rezipiert und im Sinne einer populären Religion identitätsstiftend verbreitet. Identitätskonstruktion geschieht in Netzwerken, durch (religiöse) Glaubens-inhalte, ohne zwangsläufige Absolutsetzung von religiösen Überzeugungen. Nach meiner Hypothese besteht eine konstituierende Wechselwirkung, die über verschiedene Medien zum Ausdruck gebracht wird.

Über die Medien (wie Internet, TV und Kino) besteht Raum für transnationale Diskurse, interaktive Aushandlungsprozesse, Revitalisierung und Modernisierung von (religiösem) lokalem Wissen. Im Rahmen des Dissertationsvorhabens wird mit Hilfe ethnographischer Methoden untersucht werden, wie sich lokale Wissensorganisation durch transnationale Verflechtungen neu konstituiert. Interaktionen, vor allem Kommunikationsprozesse, sollen als Inhalt und Verlauf mit Hilfe kritischer Diskursanalysen dokumentiert werden. Diese diskursiv-orientierte Perspektive wird mit subjekt-zentrierten Methoden verbunden. Durch den Fokus auf Netzwerke, die sich über nationale Grenzen hinweg etablieren, sollen auch die Strukturen der transnationalen Verflechtungen selbst porträtierbar werden. Im Untersuchungsfeld indonesischer Kampfkunst und durch umfassende Medieneinbindung (media engagement; LaPastina 2005) wird dies möglich. Medienwirkungsforschung wird in die ethnographische Feldforschung eingebunden, um den komplexen Zusammenhang von historischen, sozialen und kulturellen Prozessen darstellbar zu machen, der lokalem Wissen und Religion sowohl Sinn wie auch soziale Funktion(en) zuschreibt.